Dr. Paul Heinicker



Veranstaltungen
Sommer 2026
Post-Ostdeutsches Erinnern
Wie wird Ostdeutschland heute erinnert – und von wem? Neben der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus ist die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur ein zentraler Bestandteil der bundesdeutschen Erinnerungspolitik. In regelmäßigen Abständen, etwa zu Jahrestagen wie dem Tag der Deutschen Einheit, wird dabei auch immer wieder gefragt, wie weit die Annäherung zwischen Ost und West tatsächlich fortgeschritten ist und ob Ostdeutschland „anders bleibt“. Solche Debatten prägen öffentliche Erinnerungskulturen, lassen jedoch häufig andere Perspektiven im Hintergrund.

Das Seminar versteht sich als Einführung in zentrale Fragen der Ostdeutschlandforschung mit einem besonderen Fokus auf Erinnerungskultur. Während diese Debatten häufig in der Geschichts- oder Sozialwissenschaft geführt werden, interessiert uns im Seminar vor allem ihre mediale Dimension: Wie werden ostdeutsche Erfahrungen erzählt, dargestellt und weitergegeben? Welche Bilder, Narrative und Formen des Erinnerns prägen das Verständnis der Transformationszeit nach 1990?

Neben offiziellen Formen des Gedenkens richtet das Seminar den Blick auch auf individuellere und oft weniger sichtbare Erinnerungskulturen: auf familiäre Erfahrungen, Brüche der Nachwendezeit oder das, was lange unausgesprochen bleibt. In Anlehnung an psychoanalytische Perspektiven – etwa bei Annette Simon – diskutieren wir dabei auch die Rolle von Schweigen, Verdrängung und Vergessen als Teil gesellschaftlicher Erinnerungsprozesse.

Im Seminar lesen wir verschiedene theoretische Positionen aus der Ostdeutschlandforschung und diskutieren, wie sich der Begriff „ostdeutsch“ selbst verändert. Dabei verstehen wir ihn weniger als stabile geografische Kategorie, sondern als relationale Zuschreibung, die immer auch ein implizites „Westdeutsch“ mitdenkt. Gleichzeitig interessiert uns, wie fragil und wandelbar diese Kategorie ist – und wie sie sich mit anderen Perspektiven, etwa migrantischen Erfahrungen, vergleichen lässt.

Neben theoretischen Texten beschäftigen wir uns auch mit künstlerischen, literarischen und gestalterischen Positionen der Gegenwart. Besonders die Nachwendegeneration beschreibt in Literatur und Essays neue Formen des Erinnerns – etwa bei Autor:innen wie Anne Rabe, Charlotte Gneuß oder Sabine Rennefanz. Anhand solcher Beispiele diskutieren wir, wie sich gegenwärtige ostdeutsche Selbstbeschreibungen verändern und welche neuen Fragen dabei entstehen.

Das Seminar kann unabhängig besucht werden, bildet jedoch zugleich die theoretische Brücke für den parallel angebotenen Praxiskurs „Postostdeutsche Diagramme“, in dem die diskutierten Fragen experimentell in visuelle und diagrammatische Formen übersetzt werden.

Testat: Kurze Analyse (ca. 2–3 Seiten) eines Beispiels zeitgenössischer ostdeutscher Erinnerungskultur (z. B. literarischer Text, künstlerisches Projekt, Medienbeitrag) unter Bezug auf eine im Seminar diskutierte Theorieposition.
Dozent
Dr. Paul Heinicker
Termin
Mo. 10:00 -11:30
Ort
FHP D103
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 4
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
S
Leistungspunkte
2 CP
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Referenzliteratur:

Hanna Haag (2018): Im Dialog über die Vergangenheit: Tradierung DDR-spezifischer Orientierungen in ostdeutschen Familien. Wiesbaden: Springer VS.

Lydia Lierke und Massimo Perinelli (Hg.) (2020). Erinnern Stören: Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive. Berlin: Verbrecher Verlag.

Thomas Ahbe (2013). Die ostdeutsche Erinnerung als Eisberg: Soziologische und diskursanalytische Befunde nach 20 Jahren staatlicher Einheit. In: Elisa Goudin-Steinmann, Carola Hähnel-Mesnard (Hg.): Ostdeutsche Erinnerungsdiskurse nach 1989. Narrative kultureller Identität. Berlin: Frank & Timme, S. 27-58.

Ulrike Gerhardt (2024). Ostfuturistisches Erinnern: Die Transformationszeit in postsozialistischer Videokunst, Berlin: De Gruyter.
Post-Ostdeutsche Diagramme
Wie wird eine ostdeutsche Gesellschaft durch Diagramme dargestellt und wie strukturieren solche Bilder selbst gesellschaftliche Wahrnehmung? Listen, Tabellen, Karten oder komplexere Datenvisualisierungen prägen viele der Narrative, mit denen Ostdeutschland seit 1990 beschrieben wird: etwa Wahlkarten, demographische Statistiken oder andere journalistische Grafiken. Das Seminar versteht solche Diagramme als Bilder struktureller Ordnung. Auch wenn sie häufig objektiv erscheinen, sind sie immer auch Interpretationen: Sie ordnen Informationen, setzen Schwerpunkte und erzeugen bestimmte Perspektiven auf gesellschaftliche Zusammenhänge.

Im Seminar beschäftigen wir uns zunächst mit bestehenden diagrammatischen Kulturpraktiken und verwandten künstlerischen Positionen, etwa mit Arbeiten von Karl-Heinz Adler oder Ruth Wolf-Rehfeldt in der DDR sowie mit zeitgenössischen Positionen von Künstler:innen wie Sung Tieu oder Henrike Naumann. Anschließend steht die eigene gestalterische Arbeit im Mittelpunkt: Die Studierenden entwickeln experimentelle Diagramme, die sich mit Aspekten ostdeutscher Gesellschaft, Erinnerung oder Transformationsgeschichte auseinandersetzen.

Ein wichtiger Bestandteil des Kurses ist die Arbeit mit der Visualisierungsplattform Hydrant, entwickelt vom Künstler Manuel Roßner. Mit Hilfe dieser App entwickeln die Studierenden eigene Themenfelder, recherchieren passende Datensätze und übersetzen diese in diagrammatische Visualisierungen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger gestalterische Perfektion als die Frage, welche Themen, Daten und Anordnungen neue Perspektiven auf ostdeutsche Geschichten und Erfahrungsräume eröffnen können. Gestalterische Vorerfahrungen sind nicht erforderlich.

Das Seminar ergänzt den Theoriekurs „Postostdeutsches Erinnern“. Während dort zentrale Positionen der Ostdeutschlandforschung und Erinnerungskultur diskutiert werden, dient dieser Kurs als experimentelles Labor, in dem diese Fragen in visuelle und diagrammatische Formen übersetzt werden.

Testat: Erstellung einer diagrammatischen Visualisierungsreihe in der Hydrant-App auf Grundlage eines selbst entwickelten Datensatzes, optional ergänzt durch weitere mediale Formate (z. B. Foto, Video oder Text).
Dozent
Dr. Paul Heinicker
Termin
Mo. 12:00 -16:00
Ort
FHP D103
SWS
4
Studiengang
BA
Module (BA): 9, 10
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
P
Leistungspunkte
4 CP
Teilnehmerbegrenzung
15
Zusätzliche Informationen
Link zu Manuel Rossners Hydrant app: https://www.hydrant.app
Winter 2025/2026
Ostdeutsches Visualisieren
Wie und von wem wird eine ostdeutsche Gesellschaft seit 1990 sichtbar gemacht? Mediale Darstellungen – oftmals aus westdeutscher Perspektive – reduzieren Ostdeutschland nicht selten auf vereinfachte, defizitorientierte Narrative: Dialekt, rechte Wut oder schlicht der „blaue Osten“. Diese Bilder sind nicht neutral, sondern prägen maßgeblich den öffentlichen Diskurs über die Region.

Das Seminar untersucht zunächst diese Fremdbilder, die in Zeitungen, Datenvisualisierungen, Infografiken oder Social-Media-Beiträgen zirkulieren. Im Fokus steht, wie Visualisierungen Komplexität verflachen, Narrative reproduzieren und gesellschaftliche Wahrnehmung strukturieren. Hierfür arbeiten wir qualitativ mit Methoden der Bildanalyse, erweitern unseren Korpus aber auch quantitativ, etwa durch Web-Scraping.

Im zweiten Schritt richtet das Seminar den Blick auf ostdeutsche Eigenbilder. Basierend auf dem Konzept des Transformationswissens explorieren wir Selbstbilder, die in Kunst, Gestaltung und gesellschaftlichen Praktiken artikuliert werden. Durch Ausstellungsbesuche (z. B. Das Minsk in Potsdam) und die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Positionen analysieren wir, wie Differenz, Komplexität und Ambivalenz in diesen Eigenbildern sichtbar werden.

Neben der theoretischen Rahmung eröffnet das Seminar auch einen praktischen Zugang: Gemeinsam entwickeln wir diagrammatische Interventionen, die zwischen Fremd- und Eigenbildern vermitteln und alternative Sichtbarkeiten ostdeutscher Gesellschaften erproben.

Das Seminar richtet sich ausdrücklich an Studierende mit allen Sozialisierungshintergründen. Es geht nicht darum, „den Osten“ nur aus einer innereigenen Perspektive zu betrachten, sondern vielmehr darum, durch den Austausch unterschiedlicher Sichtweisen neue Formen der Auseinandersetzung und Gestaltung zu entwickeln.

Testat: Erstellung eines "ostdeutschen" Diagramms und eine schriftliche Kurzreflexion (2 Seiten)
Dozent
Dr. Paul Heinicker
Termin
Freitag 10:00 - 11:30
Ort
FHP D 103
SWS
2
Studiengang
MA
Module (MA): 2
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Literaturempfehlungen:

Engler, Wolfang. 2004. “Die Ostdeutschen als Avantgarde”. Berlin: Aufbau Verlag.

Mau, Steffen. 2024. “Ungleich vereint: Warum der Osten anders bleibt”. Berlin: Suhrkamp.

Simon, Anette, 2009. “Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin: Versuch über ostdeutsche Identitäten”. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Sommer 2023
Einführung in die Datenvisualisierungskritik
Daten besitzen keine Form. So ist es vor allem die mediale Vermittlung von Daten, die eine ganz entscheidende Rolle spielt. Denn erst durch ihre Verfügbarmachung werden Daten für eine menschliche Betrachtung adressierbar. Vielmehr noch legitimiert oftmals die Darstellung der Daten die Beschäftigung mit ihnen, denn dadurch soll sichtbar werden was wirklich an Erkenntniswert in den Daten steckt. Daten und Visualisierung eint also ein starkes Abhängigkeitsverhältnis, welches im Zentrum dieses Seminars stehen soll.

Im Kurs werden die grundsätzlichen Bedingungen und Limitierung der Kulturtechnik Datenvisualisierung erarbeitet und in medienreflexiven Übungen erprobt. Ziel des Kurses ist es ein Verständnis von Visualisierungen zu vermitteln, welches sich von der reinen Datenrepräsentation löst und einen Ansatz sucht, der die folgenreichen Gestaltungsentscheidungen auf dem Weg zum Datenbild sichtbar werden lässt. Dazu werden Lektüre von wissenschaftlichen Perspektiven, das kritische Lesen von Datenbildern und das medienreflexive Gestalten von Datenmaterial miteinander kombiniert.
Dozent
Dr. Paul Heinicker
Termin
Mo, 14-16 Uhr
Ort
FHP, Haus D, Raum 116
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 6
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Testat: Referat (10 Minuten)
Winter 2019/2020
Vom Scheitern der Datenbilder
Der Medientheoretiker Alexander Galloway fragt, ob sich manche Dinge einfach nicht darstellen lassen und die Designtheoretikerin Claudia Mareis verkündet gleich ganz das Ende der Anschaulichkeit. Im Zeitalter von Big Data und von "Daten als das Rohöl des 21. Jahrhunderts" werfen kritische Stimmen Fragen zur Verwertbarkeit und Interpretierbarkeit von Datenbildern auf. Trotz oder gerade wegen ihrer Omnipräsenz scheinen Datenvisualisierungen in einer Krise. Zeit zu fragen, was diese Bilder eigentlich visualisieren und warum?

Der Kurs sucht in Momenten des Scheiterns nach dem Kern solcher Diagramme als Wissensbilder. Was geht auf dem Weg von den Daten zum Bild verloren? Wie ordnen Diagramme eigentlich unsere Denk- und Reflexionsprozesse? Indem wir zeitgenössische Visualisierungen betrachten und Texte aus der Medien- und Designtheorie sowie der Diagrammatik diskutieren, soll in die Grundfiguren der Diagrammatik eingeführt werden. Neben der gemeinsamen Lektüre werden wir in Form von eigenen Textbeiträgen ein Glossar zu markanten Begriffen des Seminars erarbeiten. Theorie funktioniert am besten mit Praxis, sodass auch gestalterisch mit Visualisierungen über Visualisierungen reflektiert werden soll und Entwurfsprojekte entstehen können.
Dozenten
Dr. Paul Heinicker, Prof. Dr. Birgit Schneider
Termin
mittwochs, 10-12 Uhr
Ort
FH;P – D119
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 6
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA-Studierende FH und EMW
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Der Kurs richtet sich sowohl an Studierende des Fachbereichs Design – Masterstudium und Hauptstudium, als auch Studierende aus dem Studiengang Europäische Medienwissenschaft

Testat: Das Seminar erfordert die aktive, regelmäßige Teilnahme sowie die seminarbegleitende Anfertigung von Schaubildern zu den jeweiligen Texten.
Sommer 2019
Klimawandelkommunikation. Status Quo und Ideen im Rahmen des Potsdamer Masterplans
Bei dem Seminar handelt es sich ausdrücklich um ein Lehrforschungsseminar. Anlass ist der Masterplan 100 % Klimaschutz Potsdam, der 2018 verabschiedet wurde und eine umfassende Transformation von Potsdam vorsieht in verschiedenen Sektoren, um die Ziele der CO2-Senkung einzuhalten. Das Seminar wird punktuell gemeinsam mit PIK, IASS und FH veranstaltet, aber auch Mitarbeiter der Stadt Potsdam sowie die Agentur Admodum, die zur Zeit einen ersten Entwurf für ein Kommunikationskonzept des Masterplans erarbeitet, werden die Arbeit im Seminar bereichern.
Ziel des Seminars ist es, ein Handbuch mit Leitlinien zur Klimawandelkommunikation zu erstellen und Hinweise für die Stadt Potsdam zu eruieren. Das Seminar beinhaltet deshalb eine umfassende Auswertung der Literatur zum Thema Klimawandelkommunikation (das Meiste in englischer Sprache) sowie eine Anylse von praktischen Beispielen aus anderen Städten und Teilen der Welt. Das Thema ist disziplinenübergreifend, indem wir auch Beiträge aus Psychologie, Soziologie, Design und Kommunikationswissenschaft einbeziehen.
Wenn uns der Leitfaden gelingt, soll dieser 2019 veröffentlicht werden, denkbar ist auch, dass unsere Ideen in das Kommunikationskonzept der Stadt Potsdam mit einfließen.
Dozenten
Dr. Paul Heinicker, Prof. Dr. Birgit Schneider
Termin
mittwochs, 10:00-11:45 Uhr
Ort
FHP D 103
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 7
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA-Studierende
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Testat: Die Teilnahme am Seminar erfordert das Seminar begleitende Forschung, die eigenverantwortliche Übernahme eines Themenbereichs des Seminars sowie die Recherche und das Verfassen von kurzen, zusammenfassenden Texten.