Theses 2025
Zwischen Mythos und Monitor. Creepypasta als digitales Erzählgenre zeitgenössischer Horror-Narrative

Jakob Braun
Betreuung: Prof. Dr. Jan Distelmeyer / M.A. Judith Pietreck
Creepypasta ist ein digitales Erzählgenre zeitgenössischer Horrornarrative, das sich durch ausgeprägte Multimedialität, also das Zusammenspiel von Text, Bild, Video und Interaktiven Elementen, auszeichnet. Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle dieser Multimedialität für die Entstehung, Verbreitung und Inszenierung des Phänomens anhand zweier Fallstudien: dem Slender Man und den „Backrooms“. Theoretisch fundiert ist die Analyse durch Walter Burkerts Mythosbegriff, Sigmund Freuds Konzept des Unheimlichen sowie Bolter und Grusins Theorien zu Remediation und Hypermedialität. Insgesamt zeigte sich, dass beide Fallbeispiele sich als kollaborative, fragmentarische digitale Mythen ohne festen Kanon erweisen. Die Multimedialität ermöglicht dabei virale Verbreitung, immersive Unheimlichkeit und partizipative Mythosbildung. Creepypasta verbindet somit Erzähltradition mit digitaler Praxis und Multimedialität erweist sich als zentral für dessen Genreidentität, Wirkung sowie dynamische Weiterentwicklung.