Theses 2022

Crime d’empoisonnement. Geschichten aus den Ruinen. Eine filmische Untersuchung im (post)kolonialen Martinique

Florica Gay

Betreuung: Prof. Winfried Gerling / Prof. Dr. Birgit Schneider

In Martinique wurde Émilie, versklavtes Zimmermädchen, 1806 aufgrund eines vermeintlichen Mordversuchs durch Vergiftung zur Todesstrafe verurteilt. Sie soll versucht haben, ihre Herrin, die Mutter der Kaiserin Joséphine de Beauharnais zu vergiften. Der Kurzfilm Ce poison dans les tiges (Dieses Gift in den Stielen) ist eine Suche nach unterschiedlichen Formen von kolonialen Ruinen sowie eine Reflexion über das Gift in einem (post)kolonialen Kontext. Dabei stellen sich Fragen über den Umgang mit Medien wie das Archiv oder die Kamera, deren historischen Entwicklung mit der Kolonialgeschichte verwoben ist. Mit spekulativen Ansätzen und einer nicht-linearen Narration nimmt der Film eine dekoloniale Perspektive an und versucht, Emilie über die Worte hinaus, die sie zum Tode verurteilten zu erzählen. Das Gift in den Stielen verweist sowohl auf die heutige Umweltverschmutzung der Insel durch ein krebserregendes Pestizid als auch auf das Vergiftungsverbrechen während der Sklaverei.