Theses 2020
Tatorte, Un(sichtbare)Orte. Filmische Suchbewegungen stadträumlichen Erinnerns an die Mordopfer des NSU-Terrors

Fynn Elias Jedrysek (MA)
Betreuung: Prof. Anne Quirynen, Prof. Dr. Birgit Schneider
Der sogenannte „Nationalsozialistische Untergrund“ ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer mit Migrationsbiographie und eine Polizistin. Bis zur Selbstenttarnung 2011 ermittelten die deutschen Behörden jedoch in Richtung ,Ausländerkriminalität‘. Angehörige wurden verdächtigt, blieben unerhört, die rassistischen Motive unerkannt. Die stigmatisierenden Deutungsmuster spiegelten sich medial wider. Das Ausbleiben öffentlicher Trauer soll mit Judith Butlers Frames of War: When Is Life Grievable? im Konnex von Nicht-Wahrnehmung, -Anerkennung und -Betrauerbarkeit erörtert werden. Ein dokumentarisch-essayistischer Kurzfilm spürt im Rahmen und in Resonanz mit der vorliegenden Erörterung dieser Masterarbeit in Tatortbesuchen dem Erinnern an die Mordopfer des NSU und an das unbequeme Erbe rassistischer Gewalt nach – das staatliches und mediales Versagen impliziert und die Unsichtbarkeit von Rassismus beleuchtet. Im Kontext des Potentials von (medial gerahmter) Erinnerung auch künftige Repräsentationen zu gestalten, ist dieser Film entstanden. Schlaglichtartig wird er in Dialog mit wissenschaftlichen, künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Aushandlungen gelebten Erinnerns an rassistische Gewalt gesetzt.