Theses 2016

EIN WOLKENATLAS Medienästhetische Betrachtungen von Wolkenfotografien

Doreen Löwe

Betreuung: PD Dr. Ulrich Richtmeyer, apl. Prof. Dr. Michael Mayer
Masterarbeit

Kaum etwas ist so schwer auszumachen wie die Wolke. Wolken gibt es nur in der Mehrzahl, in einer wilden Meute, im Wolkengewühl und -gewoge, im Wolkenspiel und Wolkentreiben.

Die instabilen Erscheinungen haben viele Formen und zugleich keine, sie sind stets im Werden. Mit ihrer ephemeren Dynamik, ihrem steten Wandel, dem Entstehen und Entziehen von Ähnlichkeiten, geht die Schwierigkeit einer Bildlichkeit einher, die sich selbst in Frage stellt.

Meteorologische Atlanten versuchen Wolken anhand ihrer Erscheinungsform festzuhalten, zu beschreiben, vergleichen und kategorisieren. Für ihre Entwicklung ist die Erfindung der Fotografie nicht unbedeutend: Das einzige Labor, das die flüchtigen Erscheinungen zu fixieren vermag, ist das Fotolabor. Doch hier entstehen nicht nur fotografische Vorbilder zur wissenschaftlichen Klassifizierung, auch künstlerische Positionen setzen die Wolke ins fotografische Bild.

Die Arbeit stellt unterschiedliche fotografische Darstellungen von Wolken nebeneinander und diskutiert, was diese Bilder zeigen. Ein Wolkenatlas ist der Versuch einer Annäherung an das Phänomen der Wolke im fotografischen Bild und eine Ansammlung medienästhetischer Betrachtungen fotografischer Wolken. Er spielt mit dem Versuch der Wolkenklassifizierung und will die Bewegung der Wolkenbilder aufnehmen, Sichtweisen eröffnen, Standpunkte verdichten, verwandeln und wieder verschwinden lassen. Wolkenfotografien stoßen medienästhetische Reflektionen der fotografischen Wolke im Besonderen und der Ästhetik der Fotografie im Allgemeinen an.

Fotografien von Gustave Le Gray, Timothy O’Sullivan, Eadweard Muybridge, Gerhard Richter, Aimé Civiale, Masanao Abe, Alfred Stieglitz, Herwig Kempinger, Jochen Lempert, Gerhard Lang und Henri Osti gewähren Sichtweisen auf Wolken. Alle versammelten fotografischen Bilder von Wolken eint der Versuch, das Flüchtige festzuhalten. In dem Wolkenfotografien das Unfixierbare zu fixieren trachten, befragen sie ihre eigene Medialität und eröffnen so selbstreflexive Blicke auf etwas genuin Fotografisches.