Theses 2015

Tiere im Bild, Tiere als Bild

Anna Lena Seiser

Betreuung: Prof. Dr. Jan Distlmeyer, Dr. Birgit Schneider
Masterarbeit

Das US-amerikanische Projekt Revive & Restore hat sich unter dem Stichwort „De-Extinction“ zum Ziel gesetzt, die 1914 durch den Menschen ausgerottete Wandertaube zu re-animieren. Mit Hilfe von aktuellen Technologien der synthetischen Biologie und des Bio Engineerings soll die DNA der Taube, die nur noch bruchstückhaft vorliegt, rekonstruiert und anschließend einem nahe verwandten Leihmuttertier implantiert werden. Die einzelnen Verfahrensschritte der sogenannten ,Wiederbelebung‘ und die ihr zugrundeliegenden Diskurse werden aus bildtheoretischer, wissenschaftsgeschichtlicher und medienphilosophischer Sicht befragt und untersucht. Es wird sich zeigen, dass die rekonstruierten Tauben eine Vielzahl von Charakteristiken verkörpern, die in der Theorie Bildern zugesprochen werden. Meine Hypothese ist, dass es sich um „lebendige Bilder“ handelt. Denn den Tod zu bannen und eine lebensechte Nachahmung des Lebens herzustellen kann als „Ursinn“ des Bildermachens (Hans Belting) verstanden werden. Eine Betrachtung der medialen Evolutionen und der Repräsentations-Verfahren toter Tiere von der Taxidermie über die Fotografie, den Film bis zum digitalen Bild verdeutlicht den Zusammenhang von Tod, Bild und realistischer Naturnachahmung und dient als Bezug für die Untersuchung des Bio Engineerings als ,Bildtechnologie‘.