Theses 2015

Kreativität im Ausnahmezustand. Eine Auseinandersetzung mit Kreativitätstechniken und ihrem Status als künstlich herbeigeführte Ausnahmezustände

Emily Helene Koch

Betreuung: Dr. Mark Butler, Prof. Dr. Enrico Sass
Masterarbeit

Mit der Verhängung des Ausnahmezustands wird bereits seit dem alten Rom Gefährdungen der Ordnung auf rechtlicher Ebene begegnet. In ihm manifestiert sich die gleiche Struktur, die auch das Schöpferische oder Kreative durchdringt: Durch eine zeitweilige Suspendierung der Ordnung zugunsten eines Zwischenspiels geheiligter Unordnung kann etwas Neues entstehen. Das freiwerdende kreative Potential setzt dem drohenden Chaos, vor dessen Angesicht Ordnungen entstanden sind, neue kohärente Erzählungen entgegen.

Die theoretische Arbeit ist selbst als ein kreativer Prozess angelegt, in dem der Frage nachgegangen wird, warum Menschen sich verschiedener Techniken bedienen, um Kreativität herbeizuführen. Diese Techniken werden im Anschluss an Michel Foucault als »Technologien des Selbst« interpretiert und durch das Konstrukt des Ausnahmezustandes betrachtet.

Gegenwärtige Arbeitswelten sind von einem kreativen Imperativ bestimmt, der es kreativ Schaffenden unmöglich macht, sich in Distanz zu ihrer Umwelt neu zu bestimmen. Diesem Paradigma wird ein kreativer Konjunktiv gegenübergestellt, der Michail Bachtins Karnevalskategorien in konkrete Praktiken transformiert und so die fehlenden Rückzugsorte mit einer spielerischen Distanz auffüllt und einen Raum aufschließt, in dem Einfälle einfallen können.

In Ergänzung zu der theoretischen Arbeit wurde der filmische Beitrag »Feiern Sie Fasching in Ihrem Kopf - Wir helfen Ihnen dabei!« angefertigt. Der Beitrag changiert zwischen Persiflage, Werbung und Trailer in Bezug auf zeitgemäße Kreativitätstechniken und der Anwendung des kreativen Konjunktivs.