Theses 2008

Familienbilder. Techniken und Strategien der Repräsentation in (privaten) Familien-Fotografien und deren Funktion: 1850-1950-heute.

Julija Chicenko

Betreuung: Prof. Dr. Heiko Christians, Prof. Winfried Gerling

Die hier vorliegende Arbeit untersuchte die Präsentation der Familie auf dem Bild sowie die Re-Präsentation der Familie mithilfe des Bildes. Es ergeben sich Funktionen, die den Familienbildern in ihrer jeweiligen Zeit zugeschrieben werden können. Dabei betrachtete ich drei Zeitabschnitte näher, begonnen mit den Anfängen um 1850, fortgesetzt mit einer möglichen gesellschaftlichen Zäsur 1950 und geendet in der Gegenwart, in welcher sich mit der Digitalisierung ein möglicher technischer Einschnitt abzeichnet.
Es kristallisierten sich eine Binnenfunktion und eine Außenfunktion der Bilder heraus. Jene dient der Identifizierung und somit der Stärkung des familialen Zusammenhalts. Hier wirken Elemente der Erinnerung und auch der Selbstvergewisserung. Diese hingegen dient der Repräsentation der Familie nach außen und soll in einem größeren sozialen Kontext den Familienverband gegenüber Dritten darstellen.
Um die Frage nach den Bildfunktionen zu präzisieren, wählte ich Fragen nach den Techniken und Strategien, die Personen auf einem Familienbild bei der Selbstdarstellung anwendeten und den räumlichen Kontext, in dem diese Bilder zur Wirkung gebracht wurden.
Die Repräsentationstechniken und -strategien, sowie die Repräsentationsräume von Familienbildern wandelten sich, aber deren Funktion für das Konstrukt „Familie“ als ideale Erscheinung auf dem Bild blieb unverändert. Das Familienbild fungiert nach innen als Zeichen der Selbstvergewisserung und nach außen als Zeichen einer sozialen Normung.
Letztlich handelt es sich bei diesen Bildern – sofern sie der Funktion der Repräsentation nach Außen und Innen folgen – um ausgewählte und somit konstruierte Aufnahmen: sie zeigen idealisierte Erinnerungen.