Theses 2007

Überlegungen zur Reflexivität medialer Strukturen Eine Auseinandersetzung mit Theodor W. Adornos Negativer Dialektik und Martin Heideggers Sein und Zeit

Jan-Henrik Möller

Betreuung: Prof. Dr. Dieter Mersch, PD Dr. Heiko Christians
Masterarbeit

  • APPLAUS: Preis für beste MA-Abschlussarbeit 2007 im Studiengang EMW


  • Die Frage nach der Reflexivität medialer Strukturen ist, die nach der Rückseite des Verstehens, gegen die dieses verständlich sein könnte. Sie vermutet, dass sich Bedeutendes und Bedeutetes gegenseitig bedingen, aneinander differenzieren und insofern wechselseitig konstituieren. Zu problematisieren ist nicht, was ein Medium ist – etwa Stein, Kleidung oder Flugzeug, (McLuhan), Grammofon, Film oder Schreibmaschine (Kittler) oder Kunst, Glaube oder Liebe (Luhmann) –, sondern wann von einem solchen gesprochen werden kann. Die der Arbeit zugrunde liegende Annahme ist, dass immer dann, wenn im weitesten Sinne zeichenhafte Prozesse als solche aufgefasst werden, von einem Medium als deren Träger auszugehen ist.
    Der Begriff der Reflexivität bezeichnet reflexive, linguistisch rückbezügliche Beschaffenheiten. Sprachwissenschaftlich geht es dabei um Satzkonstruktionen, in denen mithilfe von Reflexivpronomen wie etwa ›sich‹, reflexive Verben ein von einem Subjekt ausgehendes Geschehen auf dieses rückbeziehen, also Sätze mit ich... mich, er... sich oder sie... sich. Allgemein meint ›reflexiv‹, die Reflexion betreffend und ›Reflexion‹ Spiegelung, Rückstrahlung bzw. das Zurückwerfen von Licht, Wärme oder Schallwellen etwa, aber auch Überlegen, Erwägen, etwas in Betracht ziehen, als auch das vertiefte Nachdenken usw. Das Verb ›reflektieren‹ stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus der Vorsilbe ›re-‹, dem das deutsche ›zurück‹ oder ›wieder‹ entspricht und dem Verbstamm ›flektieren‹, was soviel meint wie ›biegen‹ oder ›beugen‹, zusammen.
    In dieser Arbeit soll dem nachgegangen werden, woran sich die Reflexion reflektiert. Es soll versucht werden, in Verstehensprozessen ein reflexives Moment auszumachen, das es dem Denken erlaubt, sich sozusagen zurück auf sich selbst zu biegen. Dabei wird sich vorwiegend auf Martin Heideggers Sein und Zeit und Theodor W. Adornos Negative Dialektik konzentriert. In beiden Werken steht das Verstehen bzw. die Vernunft im Zentrum der Überlegungen. Die Nichtidentität von Allgemeinem und Besonderem, Begriff und Begriffenem ist das, worum das Denken der Negativen Dialektik kreist, während Sein und Zeit danach fragt, wie sich Seinsverständnis selbst verständlich sein kann.