Student Projects 2005

FILMKARAOKE

Teilnehmer: Nadine Köcher, Sebastian Grebing

Betreuung: Winfried Gerling

Eine bekannte Filmszene, zwei Amateurschauspieler und ganz viel Spaß!
So funktioniert die Filmkaraoke

Die technische Manipulation von visuellem Bildmaterial beherrscht unser tägliches Leben. Im Film Dargestelltes scheint oft real, tatsächlich beruht es jedoch häufig auf einer fiktionalen Dramaturgie. So wird uns etwas demonstriert, was nie stattgefunden hat, aber eben genau so stattgefunden hätte (wenn es denn geschehen wäre). Nur selten werden wir eingeweiht in den Umsetzungsprozess.

Insbesondere „Bluescreen“ kommt als Verfahrenstechnik in diesem Zusammenhang immer öfter zur Anwendung. Es ermöglicht, ein Objekt, das vor blauem Hintergrund gefilmt wurde, auszuschneiden und anschließend vor einen beliebigen (aber meist vorbereiteten) Hintergrund zu setzen. Bekannt ist diese Technik beispielsweise aus den Nachrichten, sie ist aber auch aus der Herstellung fiktionaler Szenerien nicht mehr wegzudenken.

Wir haben nun versucht, eine Situation zu inszenieren, in der „Bluescreen“ live angewendet wird. Dabei sollten die Protagonisten und Protagonistinnen situationsbedingt, interaktiv und „unvorhersehbar“ auf zuvor präpariertes Material und aufeinander reagieren. In diesem Zusammenhang bot sich die Anwendung und Erweiterung des Konzepts der Karaoke an.

Bei der klassischen Karaoke werden von den teilnehmenden Amateuren auditiv allseits bekannte Songs imitiert, unter Vorgabe von Text und Melodie. In der Filmkaraoke wird nicht nur auditiv imitiert, sondern auch visuell – und zwar bekannte Filmszenen. Auch hier werden Text, Zeitlimit und eine begleitende Geräuschkulisse vorgegeben. Die anwesenden Protagonisten befinden sich in zwei voneinander getrennten „blue boxes“. Sie sehen sich weder gegenseitig noch haben sie direkten Kontakt mit dem Publikum. Ihre Aufgabe ist es, Schauspieler aus bekannten Filmen zu imitieren und dabei auch aufeinander zu reagieren. So ist die Filmkaraoke ein Experiment von mehreren gleichzeitig ablaufenden technischen Vorgängen und der unvorhersehbaren menschlichen Interaktion. Für das Publikum sind sie über einen Videobildschirm zu sehen, wo sowohl der präparierte Hintergrund wie auch beide Mitspieler zu einem Bild zusammengefügt erscheinen. Die Tatsache, dass die Darsteller zwar gleichzeitig agieren, sich aber in getrennten Boxen aufhalten und nur auditiv aufeinander eingehen können, verfremdet die alltägliche Interaktivität und Wahrnehmungsebene mit dem Gegenüber auf lustige Weise.

Zm ersten mal gezeigt auf: 08/16 1. Filmtage Havelland