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Winter 2006/2007
Monstrare: Dis/Ability und Norm als Motor und Motiv von Medien
Monstrare, Zeigen, oder monstrum, Mißgeburt, beziehen ihren historischen Anspielungsreichtum aus dem Blick auf solche Körper, die nicht der Norm entsprechen. 'Das Monströse' haftet daran und hat sich doch abgelöst. in diesem Spannungsfeld gehen Zeigetechniken (Medien) und Ab/Normalität verschiedene Konstellationen ein. Wem ein Sinn fehlt, scheint die der anderen zu schärfen: Die technische Medienentwicklung brachte die Schreibmaschine ursprünglich für Sehbehinderte, das Telefon in die Gehörlosenfamilie, digitale Rückkoppelung für zitternde Piloten. Geisteskranke, Taube, Blinde inspirieren Philosophie und Ästhetik,
körperliche Abnormitäten entzünden wissenschaftliche Phantasie, spektakuläre Körper werden ausgestellt, und auch in der Medientheorie spielen solche Mängel, Brüche oder Defekte einige Rollen. Monster in Medien und das Monströse der Medien sollen uns im Seminar also aus mehreren Perspektiven beschäftigen: Wie wird das Normale zum Bild? Wo gehört die Leerstelle zum Wissen? Wie erscheint das jeweils spezifisch Monströse an neuen Medien?
Die ausgestellte Mißbildung diente naturwissenschaftlicher Forschung und öffentlichem Spektakel. Blindheit oder Taubheit im Theater erweisen die Darstellungskunst des Schauspielers. Ist der fotografierte Körper immer ein Dinosaurier, versteinerte Riesigkeit, gefrorene Abweichung? Verdoppelt der Film Menschen zu untoten Geistern, Vampiren, zerstückelt er den Körper und setzt ihn zusammen wie einen Frankenstein? Kommen Reality-Formate in Kino und Fernsehen mit geistig Behinderten am authentischsten? Mit welchen Bildern werden 'der Computer' oder 'das Netz' ausgestattet, etwa um ihre Ubiquität zu verhandeln?
Die Special Effects im Science Fiction markieren, was zur Diskussion ansteht: Entseelung der Menschen durch fremde eindringende Techniken; ins Gigantische wachsende Insekten durch naturlästernde Versuche; amorphe Massen bedrohen die Individualität wie das Digitale das Analoge; eine entfesselte Künstliche Intelligenz gebiert Ungeheuer... Telepathie und Teufel zeugen davon, dass Gedankenübertragung nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Horror vom Golem bis The Swan: Wie programmiert ist der Mensch? Wo früher das Abnorme ausgestellt
wurde, siamesische Zwillinge hinter dem Vorhang oder in Alkohol, wird jetzt die Operation zur Normschönheit fernsehgerecht: Der Weg der Normalisierung ist das Spektakel. Gleichzeitig existiert darin ein Versprechen, Inappropriate/d Others: The Promises of Monsters (Haraway).
Hierin ist nach Korrespondenzen zwischen den Dargestellten ('Freaks') und den als monströs wahrgenommenen Medientechniken (ihrem Überwältigenden, Unangepaßten, Wuchernden; Mangelhaften; Normalisierenden...) zu fragen.
Material dazu stellen bereit: Mediengeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Disability Studies; Filme von Browning, Schroeter, von Trier, Schlingensief u.a.; Fotografie von Arbus u.a.; Ausstellungs-Material von Völkerschauen bis zu "Körperwelten"; Dokumentarisches zu Intersexualität und Schönheits-OPs; Texte
von Denis Diderot, Jürgen Link, Lorraine Daston, Urs Zürcher, Lennart Davis, Mark Jeffreys, Helen Keller, AG 1-0-1 Intersex, Stafford, Hagner, Baudrillard, Derrida, Bavcar u.a.
körperliche Abnormitäten entzünden wissenschaftliche Phantasie, spektakuläre Körper werden ausgestellt, und auch in der Medientheorie spielen solche Mängel, Brüche oder Defekte einige Rollen. Monster in Medien und das Monströse der Medien sollen uns im Seminar also aus mehreren Perspektiven beschäftigen: Wie wird das Normale zum Bild? Wo gehört die Leerstelle zum Wissen? Wie erscheint das jeweils spezifisch Monströse an neuen Medien?
Die ausgestellte Mißbildung diente naturwissenschaftlicher Forschung und öffentlichem Spektakel. Blindheit oder Taubheit im Theater erweisen die Darstellungskunst des Schauspielers. Ist der fotografierte Körper immer ein Dinosaurier, versteinerte Riesigkeit, gefrorene Abweichung? Verdoppelt der Film Menschen zu untoten Geistern, Vampiren, zerstückelt er den Körper und setzt ihn zusammen wie einen Frankenstein? Kommen Reality-Formate in Kino und Fernsehen mit geistig Behinderten am authentischsten? Mit welchen Bildern werden 'der Computer' oder 'das Netz' ausgestattet, etwa um ihre Ubiquität zu verhandeln?
Die Special Effects im Science Fiction markieren, was zur Diskussion ansteht: Entseelung der Menschen durch fremde eindringende Techniken; ins Gigantische wachsende Insekten durch naturlästernde Versuche; amorphe Massen bedrohen die Individualität wie das Digitale das Analoge; eine entfesselte Künstliche Intelligenz gebiert Ungeheuer... Telepathie und Teufel zeugen davon, dass Gedankenübertragung nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Horror vom Golem bis The Swan: Wie programmiert ist der Mensch? Wo früher das Abnorme ausgestellt
wurde, siamesische Zwillinge hinter dem Vorhang oder in Alkohol, wird jetzt die Operation zur Normschönheit fernsehgerecht: Der Weg der Normalisierung ist das Spektakel. Gleichzeitig existiert darin ein Versprechen, Inappropriate/d Others: The Promises of Monsters (Haraway).
Hierin ist nach Korrespondenzen zwischen den Dargestellten ('Freaks') und den als monströs wahrgenommenen Medientechniken (ihrem Überwältigenden, Unangepaßten, Wuchernden; Mangelhaften; Normalisierenden...) zu fragen.
Material dazu stellen bereit: Mediengeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Disability Studies; Filme von Browning, Schroeter, von Trier, Schlingensief u.a.; Fotografie von Arbus u.a.; Ausstellungs-Material von Völkerschauen bis zu "Körperwelten"; Dokumentarisches zu Intersexualität und Schönheits-OPs; Texte
von Denis Diderot, Jürgen Link, Lorraine Daston, Urs Zürcher, Lennart Davis, Mark Jeffreys, Helen Keller, AG 1-0-1 Intersex, Stafford, Hagner, Baudrillard, Derrida, Bavcar u.a.
Dozent
Ulrike Bergermann
Termin
Erster Termin: 20.10., 15:15-16:45, weitere Termine siehe unten
Ort
20.10. UP 1.08.064 & 10.11., 11.11., 08.12., 09.12.jeweils 1.22.039
SWS
2
Studiengang
MA
Module (MA): 1
Module (MA): 1
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Blockseminar
Leistungspunkte
2 oder 6 CP
Teilnehmerbegrenzung
keine
Zusätzliche Informationen
Termine:
20.10., 15:15-16:45, Raum 1.08.064
10.11., 13:15-18:45
11.11., 10:00-18:00
08.12., 13:15-18:45
09.12., 10:00-18:00
jeweils Raum 1.22.039
20.10., 15:15-16:45, Raum 1.08.064
10.11., 13:15-18:45
11.11., 10:00-18:00
08.12., 13:15-18:45
09.12., 10:00-18:00
jeweils Raum 1.22.039
