Abschlussarbeiten 2017

Gegen-hegemoniale Schrift. Feministische und Postkoloniale Entwürfe alteritärer Schreib- und Lebensformen.

Sabeth Kerkhoff

Betreuung: apl. Prof. Dr. Michael Mayer, Dr. Bernd Bösel

»Die leere Seite, sie strotzt vom Begehren möglicher Spuren jeglicher Symbole, Gleichungen, Worte, Bücher, Bibliotheken, Satzzeichen, Vokale, Diagramme, Kritzeleien, Inschriften, Grafiken, Buchstaben, Tintenklecksen, wie sie nach Ausdruck verlangen. Ein Jubel der Leere.« (Karen Barad 2013: 29)

Ausgehend von einem differenztheoretischen Verständnis der Schrift zeichnet diese Arbeit eine Vorstellung des sozialen wie des politischen Raumes nach, der sich durch die genuine (Un)Möglichkeit bestimmt zeigt, sich Sinn zu geben ohne diesen jemals auf Dauer ‚feststellen’ zu können. Im Nachvollzug des Denkens von Ernesto Laclau und Jaques Derrida wird es darum gehen, diese nicht abschließbare Signifikation als Notwendigkeit zu artikulieren und auf die ihr eigene Medialität des Bezuges hin zu befragen. Sinnprozesse werden dabei in der steten (und notwendigen) Spannung zwischen Universellem und Partikularem sowie zwischen Identität und Differenz vorgestellt. Hélène Cixous und Édouard Glissant gelten der Arbeit dabei exemplarisch für ein ästhetisch-politisches Denken wie Schreiben, das eben diese Spannung aushält und sie produktiv wendet. Gegen-Hegemonie, als Erschütterung etablierter (Sinn-)Systeme und tradierter Selbstverständnisse, wird folglich vor dem Hintergrund dieses (unvereinbaren) Bezuges vorgestellt, indem sie keine schlichte Umkehrung der Hierarchie anstrebt, sondern auf eine Inversion der Beziehung drängt.


Diese Arbeit und die Abschlussarbeit von Noam Gramlich wurden mit dem Studiengangspreis für die beste Abschlussarbeit im Masterstudiengang Europäische Medienwissenschaft ausgezeichnet.