Abschlussarbeiten 2010

Unbestimmtheitssignaturen der Videoüberwachung

Sophie Ehrmanntraut

Betreuung: Prof. Dr. Dieter Mersch, Prof. Winfried Gerling
Masterarbeit

Ausgehend von dem von Michel Foucault mit Überwachen und Strafen begründeten Überwachungsdiskurs zeichnet die vorliegende Arbeit am Beispiel der Videoüberwachung den Übergang der Disziplinar- in die Kontrollgesellschaften nach. Im Zentrum der Arbeit stehen die Medialität und die Mediatisierung gesellschaftlicher Dispositive.
Am Beispiel des Gefängnisdispositivs zeigt Foucault auf, wie das Panopticon von der besonderen architektonischen Form, als die es Ende des 18. Jahrhunderts entworfen worden ist, zum Modell eines gesellschaftlichen Regimes, dem Panoptismus, wird. Für Foucault repräsentiert das Panopticon die sichtbare Gestalt einer Methode der "analytischen Machtverteilung", die das zu disziplinierende Individuum verinnerlicht und die Macht zu einem unsichtbaren sowie unbestimmten Kontrollmechanismus macht.
In Analogie zur Mediatisierung des Gefängnisdispositivs wird in der Arbeit die Digitalisierung von Überwachungstechniken als Zeichen gesellschaftlichen Wandels in den Blick genommen, an dessen Anfang das Dispositiv Videoüberwachung steht. Digitale Überwachungstechnologien sind im Allgemeinen computergesteuert und kommen ohne den physischen Blick aus. Am Übergang von analoger zu digitaler Videoüberwachung zeigt sich, dass Videoüberwachung als digitales Verfahren vollständig automatisiert werden kann, doch hält sie noch immer am Primat des Optischen fest, in dem Sichtbarkeit und Evidenz zusammenfallen.