Dr. habil. Julian Drews

Dr. habil. Julian Drews

jdrews@uni-potsdam.de



Veranstaltungen
Winter 2024/2025
Was ist ein Epos? Vormoderne und moderne Beobachtungen aus den romanischen Literaturen der Welt
Wort und Begriff des Epos verweisen mindestens auf drei verschiedene Kontexte – den griechischen Ursprung des Wortes, die bekannte mittelalterliche Heldendichtung und das dezidiert moderne Interesse an dieser Dichtung. Daneben wurden aber auch Dichtungen, welche die europäische Expansion seit dem 15. Jahrhundert begleiten, als Epen bezeichnet; ebenso Texte am Eingang der Moderne wie Goethes Hermann und Dorothea (1797) oder die großen Romanprojekte von Joyce, Musil und Proust. Im Historischen Wörterbuch der Philosophie wird die Form bestimmt als „ … ein in Versordnung und erhöhter Sprache erzählendes Großgefüge. Es entnimmt seine Stoffe religiösen Mythen, auf Historisches deutenden Sagen, Helden- und Abenteuerüberlieferungen mit Darstellungen weitgefaßter menschlich-gesellschaftlicher Verhältnisse. Zum E. gehören Breite des Darstellens, additive Erzählstruktur und eine langsam voranschreitende Entwicklung. Der Erzähler tritt hinter der Erzählung zurück.”
Das Seminar beschäftigt sich mit ausgewählten epischen Texten und Filmbeispielen, sowie mit Texten zur Theorie des Epos und geht der Frage nach, inwieweit Epen zur historischen Semantik der Politik gerechnet werden können.
Die gewählten Primärtexte entstammen sämtlich den romanischen Sprachen, aber alle Texte werden auch in Übersetzung zugänglich sein. Die Veranstaltung richtet sich allgemein an Studierende mit Interesse an politischer Ideengeschichte.
Dozent
Dr. habil. Julian Drews
Termin
Mi 14-16 Uhr
Ort
1.19.1.21
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 10
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Zwei Reclambände werden vorbereitend zur Anschaffung empfohlen: Das altfranzösische Rolandslied mit der Übersetzung und dem Kommentar von Wolf Steinsieck und das Cantar de Mio Cid in der zweisprachigen Ausgabe altspanisch/deutsch.
Sommer 2023
Unsicherheit: Das prekäre Verhältnis von Wissen und Schutz in Geschichten und Begriffen
Das Seminar untersucht Unsicherheit als Teil der politischen Kommunikation der Moderne und wirft gleichzeitig die Frage auf, was mit dem Begriff passiert, wenn man ihn in den hermeneutischen Umgang mit Geschichten hineinzieht. Dabei soll es nicht primär um die heikle Beziehung von Sicherheit und Freiheit in ihrer ganzen Breite gehen, sondern um Unsicherheit als prekäres Verhältnis von Wissen und Schutz.
Die historische Entwicklung der Sicherheitssemantik wurde bereits aus begriffsgeschichtlicher Perspektive von der securitas der lateinischen Antike bis zur gegenwärtigen Ausweitung ihrer Bedeutungen „auf alle Bereiche des Lebens“ beschrieben (Schrimm-Heins, Pravica, Münkler). Strukturell lässt sich sagen, dass ‚Sicherheit‘ dezidiert zukunftsbezogen funktioniert und somit Berührungspunkte zu Semantiken des Vertrauens, der Sorge bzw. zur Unterscheidung ‚Risiko/Gefahr‘ aufweist (z. B. Buchholtz). Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass Sicherheitsdiskurse immer auch Unsicherheit produzieren. Bei Niklas Luhmann ist Unsicherheit sogar integraler Bestandteil von Kommunikationssystemen aller Art.
Beim fiktionalen Erzählen in unterschiedlichen medialen Formaten scheint die begriffliche Ambivalenz in bestimmte Formen der Handlungssymmetrie transformiert – z. B., wenn im Kontext des Spannungsfilms die Gefährdung des Ermittlers in dem Maße zunimmt, in dem er der Lösung des Falls näherkommt.
Untersucht wird das u. a. an Texten von Thomas Hobbes, Molière, Franz Kafka, Jorge Luis Borges, Michel Foucault, Julio Cortázar und Don DeLillo sowie an Filmen von Henri Verneuil und Alfred Hitchcock.

Auswahlbibliographie:

Buchholtz, Jules (2019): „Cura, Futura und Securitas: Kleine Geschichte der Gefahrenabwehr als Dienstleistung und Notwehr“. In: Heiko Christians und Georg Meins (Hg.): Gefahr oder Risiko: Zur Geschichte von Kalkül und Einbildungskraft. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag, S. 61–74.

Foucault, Michel (2006): Sicherheit, Territorium, Bevölkerung: Geschichte der Gouvernementalität 1. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Hamilton, John T. (2013): Security: politics, humanity and the philology of care. Princeton: Princeton University Press.

Horn, Eva (2007): Der geheime Krieg: Verrat, Spionage und moderne Fiktion. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag.

Münkler, Herfried (2010): „Strategien der Sicherung: Welten der Sicherheit und Kulturen des Risikos. Theoretische Perspektiven“. In: Herfried Münkler, Matthias Bohlender und Sabine Meurer (Hg.): Sicherheit und Risiko: Über den Umgang mit Gefahr im 21. Jahrhundert. Bielefeld: transcript Verlag, S. 11– 34.

Pravica, Sandra (2017): „(In-)security: Sicherheit und Nichtverfügbarkeit“. In: Forum Interdisziplinäre Begriffsgeschichte, 6. Jhg. 1, S. 41–48.

Schrimm-Heins, Andrea (1991): „Gewissheit und Sicherheit: Geschichte und Bedeutungswandel der Begriffe certitudo und securitas (Teil 1). In: Archiv für Begriffsgeschichte, 34, S. 123–213.

– (1992): „Gewissheit und Sicherheit: Geschichte und Bedeutungswandel der Begriffe certitudo und securitas (Teil 2). In: Archiv für Begriffsgeschichte, 35, S. 115–213.
Dozent
Dr. habil. Julian Drews
Termin
Do 12-14 Uhr
Ort
Neues Palais 9.2.04
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 7
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Testat: Protokoll (1–2 Seiten)