
Dr. Ute Seiderer
Europäische Medienwissenschaft Lehrbeauftragte
Medienkulturgeschichte
Haus 1, Raum 110
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
seiderer1@uni-potsdam.de
Sprechstunde
Mittwochs nach dem Seminar (16 Uhr)
Veranstaltungen
Sommer 2023
Maske und Gesicht
Masken dominierten unseren Alltag, als uns das Corona-Virus heimsuchte. Die abgedeckte untere Gesichtshälfte bewirkte eine Dominanz der Augen- und Stirnpartie und verlieh dem Gesicht einen veränderten Ausdruck. Ähnlich der Verschleierung in muslimischen Kulturen, bei der nur die Augen unbedeckt sind, rückt der Blick als individualisierter Ausdruck von Kommunikation ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Gegensatz dazu sollten die Masken tradierter Theaterkulturen (Commedia dell’arte, japanisches Nô-Theater u.a.) das Individuelle des Maskenträgers verbergen und Typisierungen schaffen, was v.a. in der Komödie als Vereinfachung und Übertreibung der Charaktere für die Zuschauer gedacht war. Die Erscheinungsformen der Theatermasken wechselten dabei von der Ganzgesichtsmaske mit größeren oder kleineren Öffnungen für Mund und Augen bis zur reduzierten Augenmaske, die bis heute in den Karnevalskulturen verbreitet ist. Hier wie dort fungiert die Maske als Medium der Verwandlung, der Verstellung und der Lüge, und nicht selten wurde mit dem Rückgriff auf Kultisches, wie es bei den Masken indigener Volksstämme der Fall war, die Maske als Ersatz des eigenen Gesichtes verwendet.
In der europäischen Alltagskultur galt das unbedeckte Gesicht lange Zeit als Ausweis von Individualität und Identität. Verfeinerte Züge oder grober, markanter Ausdruck – die Lesbarkeit des Gesichts war oberstes Gebot, wenn es darum ging, glaubhaft zu erscheinen. In der Malerei wurden Selbstbildnisse als besonders gelungen angesehen, bei denen die individuellen mimischen Züge stark hervortraten (Rembrandt u.a.); selbst Totenmasken hatten die Aufgabe, das wahre „Antlitz“ des Verstorbenen offenzulegen und den Menschen gleichsam von innen zu zeigen. Nach der „Krise des Gesichts“ im beginnenden 20. Jahrhundert (Rilke, Artaud), die mit dem Bewusstsein eines veralteten Subjektbegriffs einherging, ist spätestens Anfang des 21. Jahrhunderts deutlich geworden, dass die Repräsentationen des Selbst durch geglättete und gebotoxte Mediengesichter erfolgen, die längst wieder maskenhafte Züge angenommen haben. Durch Body- und Faceshaping wird dem Kult der Jugendlichkeit gefrönt; das alternde Gesicht muss stets aufpoliert werden. Die neuen Formen von Maskeraden lassen eine regelrechte Kontrolle des Gesichts erkennen.
Unter den medizinischen Masken gegen das Corona-Virus fielen die Gesichter wieder in sich zusammen. Neue Faltenbildungen rund um die Maske ließen so manche Wangenpartien schwulstig und unansehnlich erscheinen; und manchenorts waren Stimmen zu vernehmen, die von einer Gewöhnung an die Maske sprechen sowie davon, dass Müdigkeit und Abgeschlagenheit sich dadurch verdecken ließen. Doch entfaltet die medizinische Maske nicht auch subversive Züge? Trägt sie nicht, als Medium der Verhüllung, ebenfalls zur Entindividualisierung bei, spielt sie nicht den digitalen Gesichtserkennungsprogrammen an öffentlichen Plätzen einen Streich und ermöglicht neue Identitätsverschleierungen? Diese und andere Fragen sollen im Seminar anhand von Bildern, Filmausschnitten, literarischen, kunst- und kulturtheoretischen Texten erörtert werden.
In der europäischen Alltagskultur galt das unbedeckte Gesicht lange Zeit als Ausweis von Individualität und Identität. Verfeinerte Züge oder grober, markanter Ausdruck – die Lesbarkeit des Gesichts war oberstes Gebot, wenn es darum ging, glaubhaft zu erscheinen. In der Malerei wurden Selbstbildnisse als besonders gelungen angesehen, bei denen die individuellen mimischen Züge stark hervortraten (Rembrandt u.a.); selbst Totenmasken hatten die Aufgabe, das wahre „Antlitz“ des Verstorbenen offenzulegen und den Menschen gleichsam von innen zu zeigen. Nach der „Krise des Gesichts“ im beginnenden 20. Jahrhundert (Rilke, Artaud), die mit dem Bewusstsein eines veralteten Subjektbegriffs einherging, ist spätestens Anfang des 21. Jahrhunderts deutlich geworden, dass die Repräsentationen des Selbst durch geglättete und gebotoxte Mediengesichter erfolgen, die längst wieder maskenhafte Züge angenommen haben. Durch Body- und Faceshaping wird dem Kult der Jugendlichkeit gefrönt; das alternde Gesicht muss stets aufpoliert werden. Die neuen Formen von Maskeraden lassen eine regelrechte Kontrolle des Gesichts erkennen.
Unter den medizinischen Masken gegen das Corona-Virus fielen die Gesichter wieder in sich zusammen. Neue Faltenbildungen rund um die Maske ließen so manche Wangenpartien schwulstig und unansehnlich erscheinen; und manchenorts waren Stimmen zu vernehmen, die von einer Gewöhnung an die Maske sprechen sowie davon, dass Müdigkeit und Abgeschlagenheit sich dadurch verdecken ließen. Doch entfaltet die medizinische Maske nicht auch subversive Züge? Trägt sie nicht, als Medium der Verhüllung, ebenfalls zur Entindividualisierung bei, spielt sie nicht den digitalen Gesichtserkennungsprogrammen an öffentlichen Plätzen einen Streich und ermöglicht neue Identitätsverschleierungen? Diese und andere Fragen sollen im Seminar anhand von Bildern, Filmausschnitten, literarischen, kunst- und kulturtheoretischen Texten erörtert werden.
Dozent
Termin
Mi. 14:00 – 16:00
Ort
Neues Palais, Haus 9, Raum 2.04
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 7
Module (BA): 7
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Testat: 10-minütiger Vortrag (Referat)
Winter 2021/2022
Lufträume
Lufträume sind Räume von stetig wachsendem Interesse. Für den Menschen zwar nur mit technischen Hilfsmitteln erreichbar, haben sie aber längst irreversible Prägung durch ihn erhalten. Der mit Luft gefüllte Raum über der Erdoberfläche dient nicht nur im Zuge globaler Vernetzungen als regulärer Verkehrs- oder Invasionsraum; durch die fortschreitende Technisierung der Flugobjekte zu Medien der Überwachung und Privatisierung (Drohnen, Flugtaxis etc.) stellt er spätestens seit dem 20. Jahrhundert eine Projektionsfläche für Körper- und Ermächtigungskulturen dar, die das Fliegen als seine ideologische Okkupation zeigt (NS-Segelfliegerschulen als paramilitärische Ausbildung; Fliegerfilme; Luftraumüberwachung etc.). Auch literarisch gibt es dafür viele Vorlagen (Gabriele d'Annunzio u.a.). In Zeiten der Frage nach dem ökologischen Fußabdruck rückt einerseits der touristische Massenflugbetrieb in den Fokus der Aufmerksamkeit („Stay grounded“, Klimakollektiv gegen das Fliegen), andererseits wird z.B. in dem EU-Projekt „Single European Sky“ eine Optimierung und Neustrukturierung der Verkehrsströme über nationale Grenzen hinweg angestrebt. Wer darf wohin fliegen und weshalb? Wäre es – analog zu Dantes Kartierung der Hölle in dessen Divina Commedia (1472) – denkbar, dass bestimmte Schichten der Erdatmosphäre zukünftig nur speziellen Zugangsberechtigten vorbehalten bleiben? Diese und andere Fragen wollen wir in diesem Seminar anhand von Filmen wie auch literarischen, philosophischen und raumtheoretischen Texten erörtern und die mediale Nutzung und Bestimmung des Luftraums analysieren.
Dozent
Termin
Mi, 14-16
Ort
Neues Palais, 19.0.12
SWS
2
Studiengang
BA
Module (BA): 10
Module (BA): 10
Pflichtveranstaltung
-
Veranstaltungsart
Seminar
Leistungspunkte
2
Zielgruppe
BA
Teilnehmerbegrenzung
25
Zusätzliche Informationen
Testat: aktive Teilnahme / Referat