Aktuelles Winter 2011/2012

Dr. Britta Lange (Humboldt-Universität zu Berlin): "Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner"

Öffentlicher Vortrag, 12. Januar 2012, 18.00 Uhr

Fachhochschule Potsdam, Pappelallee 8-9, Hauptgebäude, Hörsaal HG 067

Im Frühjahr 1917 kam ein Propagandafilm auf den deutschen Markt, der die "Entdeckung Deutschlands" aus der Perspektive von Journalisten vom Mars inszenierte. Dokumentarische Bilder von der produktiven deutschen Rüstungsindustrie, von Nationaldenkmälern und Nahrung im Überfluss wurden gerahmt von einer Science-fiction-inspirierten Spielfilmhandlung: Marsbewohner empfangen "ätherografisch" die Kabelnachrichten der Erde, durchqueren in einem "Flugball" den Weltraum und reisen, ausgestattet mit übernatürlichen Fähigkeiten, durch das im Weltkrieg befindliche Deutsche Reich. Der Vortrag spürt einerseits dieser Spannung zwischen den filmischen Genres - Dokumentar- und Spielfilm, Industrieaufnahmen und Science Fiction - nach und fragt andererseits, inwiefern hier Projektionen einer anderen Identität, der außerirdischen, mit Entwürfen der eigenen, deutschen Identitäten zusammenfielen.

Britta Lange ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet im DFG-Projekt "Gefangene Stimmen" an ihrer Habilitation. Ihre Dissertation erschien unter dem Titel "Echt - Unecht - Lebensecht. Menschenbilder im Umlauf" 2006 bei Kadmos. Weitere Forschungsinteressen bilden historische Tonaufnahmen, wissenschaftliche und populäre Filme zwischen 1910 und 1945 sowie der gemeinsame historische Forschungskontext "sensibler" Sammlungen. Siehe auch: Margit Berner/Anette Hoffmann/Britta Lange: Sensible Sammlungen. Aus dem anthropologischen Depot, 2011 (Fundus Verlag: Hamburg, Band 210).

Dieser Vortrag ist Teil des Interflex-Projekts Konstruktiv. Gender, Class, Race & Bodies.