Aktuelles Winter 2009/2010

DIGAREC LECTURES - Doublefeature Stephan Humer und Georg Spehr

Stephan Humer - “Digitalität und Imagination – Grundlagen für die Analyse einer neuen Epoche”

Das Digitale fordert und fördert unsere Imagination in einem enormen Maße. Seitdem analoge Zustände in digitale Einheiten gewandelt werden, hat eine Entwicklung eingesetzt, die wohl als epochal bezeichnet werden kann. Für den Computer gibt es nur Nullen und Einsen, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Digitalität – für uns entsteht daraus aber viel mehr: „Es ist die Arbeit der Interpretation im Kopf, die aus den Zeichen, die Computer anzeigen, eine Information macht.“ (Joseph Weizenbaum). Für den Umgang mit digitalem Gerät ist die Imagination somit unentbehrlich, da sie den „Missing Link“ zwischen der Digitalisierung (durch den Computer) und Analogisierung (in der Wahrnehmung des Menschen) darstellt. Man kann der spielenden, chattenden und twitternden “Generation C64" deshalb wohl kaum vorwerfen, daß es ihr an Vorstellungskraft und Abstraktionsfähigkeit mangelt – zwei Eigenschaften, die in einer vernetzten, globalen Welt sicherlich nicht ganz unbedeutend sind.

Der Vortrag soll aufzeigen, warum es ein Fehler ist, die digitale Welt als “virtuell” zu bezeichnen, welche Rolle Digitalität und Imagination in unserer heutigen Lebenswelt spielen, wie sich diese beiden Elemente entwickeln und welche Folgen das für die Analyse digitaler Phänomene wie Computerspiele und die Entwicklung unserer Gesellschaft haben kann.


Georg Spehr - “Game Sound (not Effects)”

Game Sound wird in der aktuellen Computerspielforschung kaum gesondert hervorgehoben. Dabei sind Computerspiele ohne eine Klangebene quasi nicht existent. Selbst die ersten populären und kommerziell relevanten Spiele beinhalten Klänge, die trotz ihrer scheinbaren Einfachheit wesentliche informative und ästhetische Funktionen erfüllen und somit für den Spieler handlungsrelevant sind.

Anhand des Vortrags soll verdeutlicht werden, dass die Klangebene in allen Eigenschaften des Computerspieles gleichbedeutend zur Bildebene bewertet werden muss. Das Klangspektrum ist nicht nur in ästhetischer Hinsicht sehr vielfältig, sondern umfasst auch auf funktionaler Ebene einen komplexen Aufgabenbereich. Klang ist sowohl Informationsmedium und Interaktionsinstrument als auch Erlebnismoment des Virtuellen.


Die Vortragssprache ist Deutsch.

Datum: 21.01.2010, 18-20h

Ort: Universität Potsdam, Am Neuen Palais 10, Haus 8 Raum 60/61, 14469 Potsdam (Plan)