Aktuelles Winter 2009/2010
Drei aktuelle Publikationen der EMW
Baudrillard fassen: Tumult 34 Schriften zur Verkehrswissenschaft
von Stephan Günzel, Michaela Ott, Walter Seitter
"Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel. Verglichen mit den endlosen Himmeln Nordamerikas und ihren Wolkenballungen sind unsere kleinen Schäfchenhimmel und Schäfchenwölkchen Abbilder unserer Schäfchengedanken, unserer niemals raumgreifenden Gedanken (Amerika, 28). / Baudrillard unter anderen Himmeln sehen: in China, Brasilien, USA mit anders raumgreifenden Gedanken, und aus einem Außerhalb seiner Lebenszeit. Aber auch: Baudrillard »am Himmel des Unaktuellen" (Cool Memories I, 99) in Europa sehen, wo er sich als die von ihm erträumte »radikale Objektivität« abzuzeichnen beginnt, die sich nicht mehr der wissenschaftlichen Erfassung erschließt, dafür den Blick auf die »Ironie des Weltprozesses« öffnet — ein zu großer Versuch?
Freeze Frames: Zum Verhältnis von Fotografie und Film
von Stefanie Diekmann (Herausgeber), Winfried Gerling (Herausgeber)
Der so genannte "Freeze Frame", also die optische Illusion des stehenden, eingefrorenen Filmbildes, konstituiert eine Zone des Übergangs zwischen Film und Fotografie, bewegtem und stehendem Bild, laufender und aufgehobener Zeit. Ausgehend vom »Freeze Frame« als einer hybriden, intermedialen Struktur par excellence sind die zwölf Beiträge dieses Bandes darauf ausgerichtet, die Beziehung von Film und Fotografie - vor allem mit Blick auf Spannungsverhältnisse und Grenzgänge zwischen den beiden Medien und die damit verbundenen Zeit- und Darstellungsökonomien - zu untersuchen.
Posthermeneutik
von Dieter Mersch
Schmerzen, körperliche Erschöpfung, Erosionen oder Spuren zeitlichen Verfalls und ähnliches verweisen auf Erfahrungen, die sich diskursiver Einholung nicht ohne weiteres fügen. Mit dem Formlosen, der bloßen Materialität oder dem Chaos assoziiert, widersetzen sie sich den generellen Begriffen des Textes und des Verstehens. Zudem verweigern sie sich ihrer Entschlüsselung als Konstruktion – im Sinne ihrer begrifflichen Bezeichnung und Unterscheidung – wie auch ihrer Inszenierung als einer ästhetischen Praxis, weil sie in allen ihren Hervorbringungen als eine nicht aufgehende Heterogenität immer schon mitschwingen. Denn es gibt keine Arbeit ohne den Rest, keinen Diskurs ohne das Nichteinholbare oder Undarstellbare, keine Technik ohne Versagen, kein Denken ohne die Widerständigkeit der Dinge, worin sie ebenso sehr verwickelt sind, wie sie diese verleugnen.
Posthermeneutik ist der Versuch, diese ‚andere‘, ‚negative‘ Seite neu zu denken – und damit das mit einzubeziehen, was nicht Verstehen ist, aber ins Verstehen eingeht, was nicht Zeichen ist, aber notwendige Voraussetzung aller Zeichenprozesse bleibt, was nicht Sinn ist, aber die Bedeutungen stört, was nicht Medium ist, aber alle Medialität mitprägt.
von Stephan Günzel, Michaela Ott, Walter Seitter
"Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel. Verglichen mit den endlosen Himmeln Nordamerikas und ihren Wolkenballungen sind unsere kleinen Schäfchenhimmel und Schäfchenwölkchen Abbilder unserer Schäfchengedanken, unserer niemals raumgreifenden Gedanken (Amerika, 28). / Baudrillard unter anderen Himmeln sehen: in China, Brasilien, USA mit anders raumgreifenden Gedanken, und aus einem Außerhalb seiner Lebenszeit. Aber auch: Baudrillard »am Himmel des Unaktuellen" (Cool Memories I, 99) in Europa sehen, wo er sich als die von ihm erträumte »radikale Objektivität« abzuzeichnen beginnt, die sich nicht mehr der wissenschaftlichen Erfassung erschließt, dafür den Blick auf die »Ironie des Weltprozesses« öffnet — ein zu großer Versuch?
Freeze Frames: Zum Verhältnis von Fotografie und Film
von Stefanie Diekmann (Herausgeber), Winfried Gerling (Herausgeber)
Der so genannte "Freeze Frame", also die optische Illusion des stehenden, eingefrorenen Filmbildes, konstituiert eine Zone des Übergangs zwischen Film und Fotografie, bewegtem und stehendem Bild, laufender und aufgehobener Zeit. Ausgehend vom »Freeze Frame« als einer hybriden, intermedialen Struktur par excellence sind die zwölf Beiträge dieses Bandes darauf ausgerichtet, die Beziehung von Film und Fotografie - vor allem mit Blick auf Spannungsverhältnisse und Grenzgänge zwischen den beiden Medien und die damit verbundenen Zeit- und Darstellungsökonomien - zu untersuchen.
Posthermeneutik
von Dieter Mersch
Schmerzen, körperliche Erschöpfung, Erosionen oder Spuren zeitlichen Verfalls und ähnliches verweisen auf Erfahrungen, die sich diskursiver Einholung nicht ohne weiteres fügen. Mit dem Formlosen, der bloßen Materialität oder dem Chaos assoziiert, widersetzen sie sich den generellen Begriffen des Textes und des Verstehens. Zudem verweigern sie sich ihrer Entschlüsselung als Konstruktion – im Sinne ihrer begrifflichen Bezeichnung und Unterscheidung – wie auch ihrer Inszenierung als einer ästhetischen Praxis, weil sie in allen ihren Hervorbringungen als eine nicht aufgehende Heterogenität immer schon mitschwingen. Denn es gibt keine Arbeit ohne den Rest, keinen Diskurs ohne das Nichteinholbare oder Undarstellbare, keine Technik ohne Versagen, kein Denken ohne die Widerständigkeit der Dinge, worin sie ebenso sehr verwickelt sind, wie sie diese verleugnen.
Posthermeneutik ist der Versuch, diese ‚andere‘, ‚negative‘ Seite neu zu denken – und damit das mit einzubeziehen, was nicht Verstehen ist, aber ins Verstehen eingeht, was nicht Zeichen ist, aber notwendige Voraussetzung aller Zeichenprozesse bleibt, was nicht Sinn ist, aber die Bedeutungen stört, was nicht Medium ist, aber alle Medialität mitprägt.